Cloppenburg im Juni 1998

 

Liebe Pferdefreundin!

Lieber Pferdefreund!

 

Leider gibt es nur wenige schriftliche Dokumente über die Vereinsgeschichte des Reit- und Fahrvereins Cloppenburg. Die meisten Angaben beruhen auf mündlichen Überlieferungen. Die erste Gründungsversammlung war 1922. Diese fand in einem Lokal in Bethen statt. Die endgültige Gründung war sodann 1923 und um das Jahr 1925 gelang es dem Bürgermeister Weigel, den Verein nach Cloppenburg umzusiedeln. Das Vereinslokal war damals Deeken Hook. Der Reitplatz war der Friesoyther Marktplatz. Das ist der Bereich, wo heute das Schwedenheim liegt. Die Reiter der ersten Stunde waren Thöben Sternbusch, Albers Höltinghausen, Döpke Varrelbusch, Gerdes Resthausen, Büttner Cloppenburg und Giese Bethen. Dieses Verzeichnis ist sicherlich unvollständig. Die Reitstunden waren sonntags jeweils nach dem Hochamt. Reitlehrer war Antonius Heyer. Es handelt sich hier um den Großvater von Joachim Heyer. Diese Tätigkeit führte er über 30 Jahre durch.

 

Aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg werden Reiter wie Tebben aus Warnstedt, Peek aus Grönheim, Klinker aus Molbergen, Grever und Greten aus Stalförden, Rolfmeyer, Tabeling und Dr. Hellkamp genannt. Es gab damals ca. 40 aktive Reiter. Die häufigste Veranstaltung war der sonntägliche Ausritt. Kurz vor dem 2. Weltkrieg wurde der Verein in die Reiter-SA überführt. Mitglieder, die sich weigerten, erlitten Repressalien. Einige wurden sogar mehrere Tage in Vechta inhaftiert.

 

Der schwere Schatten des 2. Weltkrieges legte sich auch über das Vereinsleben des Reit- und Fahrvereins. Alle Aktivitäten ruhten. Nach dem Krieg war das 1. Turnier 1947 in Cappeln. Wieweit Cloppenburg daran beteiligt war, ist unbekannt. In dieses Jahr muß auch die Wiederbegründung des Reit- und Fahrvereins Cloppenburg fallen. 1. Vorsitzender war Herr Abel aus Dingel. Das erste Turnier fand sodann 1948 auf dem Rennplatz statt. In den fünfziger Jahren hatte Cloppenburg ein reiterliches Hoch. Es fanden mehrere Grußturniere statt und einmal ein Landesturnier. Klangvolle Namen wie Thiedemann, Winkler, Alwin Schockemöhle, Jarasinsky, Dr. Lehmann, Alfons und August Lütke-Westhus standen auf der Teilnehmerliste. Aus dem Jahresbericht 1957 des Vereins geht hervor, daß das Sommerturnier eine Besucherzahl von 20.000! Menschen hatte. Die gesellschaftliche Bedeutung dieser Turniere zeigte sich darin, daß die Vertreter der öffentlichen Einrichtungen vom Präsidenten der niedersächsischen Verwaltung bis zum Stadtdirektor sich unter den Gästen befanden. Auf einem dieser ersten Nachkriegsturniere wurde Cloppenburg Landesmeister. Ehrenamtlicher Reitlehrer war Theo Wienken in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg bis 1973. Für diese Leistung wurde er mit der silbernen Ehrennadel des Niedersächsischen Sportbundes ausgezeichnet.

 

Mit Beginn der sechziger Jahre kam es zu einer Strukturkrise. Das Pferd wurde vom Traktor ersetzt. Es vergingen einige Jahre, bis das Pferd wieder seinen berechtigten Platz als Begleiter und Sportkamerad des Menschen zurückerobert hatte. In Cloppenburg gediehen Pläne, eine Reithalle zu bauen, zur Realität. Es wurde eine Interessensgemeinschaft gegründet, die den Hallenbau ermöglichte. Der Vorsitzende war Helmut Thole. Das Gelände stellte die Stadt zur Verfügung. Die Gründungsvereine waren der Südoldenburger Rennverein, Reiterverein Cappeln, Emstek, Garrel, Friesoythe und die Sportgemeinschaft der Stadt Cloppenburg. Die Bauzeit betrug lediglich 5 Monate. Viele Aufgaben wurden in Eigenarbeit erledigt. Endlich war es soweit. Die Einweihung der Reithalle an den Bührener Tannen erfolgte zu Ostern am 27.03.1967 durch Dechant Meyer. In den kommenden Jahren kamen als Baumaßnahmen Stallungen, die kleine Halle 1980 und die Reiterklause hinzu. Zum anderen wurde die Strohhalle und die Anliegerwohnung 1980, die Flutlichtanlage und der Dressurplatz 1981 errichtet. 1988 erfolgte eine grundlegende Renovierung der Halle. Dieses ist ein Verdienst von Herrn Wiegbers, der die Mittel über eine Werbegemeinschaft ermöglichte. 1990 kam der Verein in finanzielle Schwierigkeiten, so daß sogar ein Notvorstand durch das Amtsgericht verhängt wurde. Der Nachfolgevorstand, unter Führung von Broxtermann und Berges, setzte sodann eine erneute Konsolidierung durch, so daß das Vereinsleben wieder erblühte.

 

Die wirtschaftliche Entwicklung der einzelnen Vereine in dieser Region führte dazu, daß viele eine eigene Halle erstellten und sich somit das Interesse an der Halle in Cloppenburg reduzierte. Zum anderen war der Reit- und Fahrverein bemüht, eigener Herr auf dem Gelände an den Bührener Tannen zu werden. In langen Verhandlungen und unter Abfindung der anderen Vereine wurde ein Konsens gefunden, bei dem im November 1994 der Verein die Halle erwarb und das Gelände im Erbbaurecht übernahm.

 

Ein Wort möchte ich abschließend zur Voltigierabteilung finden:

Diese wurde 1956 von Heinz Rolfmeyer gegründet. Später übernahm die Leitung Bernhard Grever, der in Wiesbaden - inoffizielle Deutsche Meisterschaft - 1960 mit seiner Mannschaft den beachtlichen 2. Platz belegte. In den 60er Jahren kam der Voltigiersport zum Erliegen. Eine Neubelebung fand 1973 durch Christine Drees statt. Seit 1976 ist der Voltigiersport mit dem Namen der Familie Schlömer verbunden. Zwischenzeitlich leitete Frau Gaby Maisel von 1991 - 1995 die Voltigierabteilung. Frau Gaby Maisel war eine Schülerin von Maria Schlömer. Seit 1990 war die Voltigierabteilung 6 Mal Weser-Ems-Meister und einmal Vize-Weser-Ems-Meister. Die Platzierungen beinhalteten jeweils eine Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft. Neben diesen Erfolgen gab es unzählige weitere Platzierungen.

 

Der Erzähler will hier schließen. Es gibt viele Menschen, die sich um den Reit- und Fahrverein Cloppenburg sicherlich sehr verdient gemacht haben, aber leider wegen der Kürze des Berichts nicht genannt werden können. Dieses soll keineswegs eine Schmälerung ihrer Verdienste darstellen.

 

Ich wünsche dem Reit- und Fahrverein noch viele gute Jahre.

 

 

                                                                                                Dr. Raczek